Fahrzeug:
Relevante Ausstattung:
Modifikationen:
Antrieb:
Meinen
subjektiven Eindrücken möchte ich meinen
persönlichen
Hintergrund voranstellen. So ist dieser Golf mit Abstand das
schwächste
Fahrzeug, das ich jemals über längeren Zeitraum
gefahren habe. Dies gilt
insbesondere in Bezug auf seinen Hubraum von nur 1,6 Litern und seinen
Drehmomentverlauf.
Trotz dieser denkbar schlechten Voraussetzungen schlägt sich
die
Antriebseinheit sehr gut. Dazu trägt vor allem das exakt
schaltbare 6-Gang
Getriebe bei, was schnelle und präziese Gangwechsel bei
moderatem Kraftaufwand
erlaubt. Die Abstufung des Getriebes ist überaus gelungen,
wobei auch der 6.
Gang Fahrgang-Charakter hat. Einerseits wäre eine Auslegung
als Schongang
wünscheswert gewesen um Drehzahlniveau und damit die
Geräuschentwicklung auf
der Autobahn zu drücken. Andererseits erlaubt es seine
Auslegung als Fahrgang
ihn schon ab 55 km/h vollständig einzusetzen.
Der Motor ist bis 2 000 1/min akkustisch sehr zurückhaltend. Danach klingt er recht sportiv und erinnert etwas an alte Zeiten mit offenen Luftfiltern. Gleichwohl klingt er nie angestrengt, auch wenn seine Drehfreude ab ca. 5 500 1/min etwas nachlässt. Wirklich problematisch scheint hierfür eigentlich nur die Brummneigung des Motors bei 1 500 1/min und darunter. Bei diesen Drehzahlen kann man allenfalls einen Gang noch halten, nicht aber mehr beschleunigen.
Dieses Verhalten mag zunächst störend erscheinen, ist aber äußerst zweckdienlich, wenn man einmal den Momentanverbrauch betrachtet. So ist der Motor im Teillastbereich um ein vielfaches sparsamer als im Volllastbetrieb. Scheinbar musste hier VW massiv anfetten.
Die Leistungsentfaltung ist für Stadt- und Landstraße völlig OK. Selbst Überholmaneuver auf der Landstraße macht der Wagen noch einigermaßen souverain. Wer mit 70km/h hinter einem LKW sitzt sollte sich nicht scheuen den dritten Gang bis zum Begrenzer zu drücken (Tacho 140km/h) und so zügig jeden Überholvorgang meistern.
Weniger gut ist naturgemäß die Beschleunigung in noch höheren Geschwindigkeiten – dafür ist die Kiste einfach nicht gebaut. Das merkt man auch schon an der Geräuschentwicklung. Ab 100 km/h nehmen die Fahrgeräusche überproportional zu – das ist in einer Fahrzeugklasse darüber (zB Vectra C) des selben Baujahres absolut undenkbar und viel besser gelöst.
Verbrauch: Unfassbar. Bei einer Landstraßenpartie von Gotha nach Halle inkl etwas Stadtverkehr am Zielort lag der Verbrauch laut MFA+ bei 5,5 l/100km. Dabei wurde keineswegs gebummelt. Geschwindigkeitsbegrenzungen wurden jedoch geachtet (außer beim Überholen). Ab und an durfte die Drehzahlnadel auch einmal Richtung Begrenzer. Im Mittel jedoch nur zügiges Reisen (zu 90% nur in den Gängen 4,5 und 6).
Die erste Tankfüllung war so (Autobahnfahrt mit Richtgeschwindigkeit und 20 km (!!) Stau nach Gotha, Rückfahrt Landstraße, Rest Stadtverkehr Halle) mit 6,3 l/100km laut MFA+ (nachgerechnet 6,45 l/100km Super+) erledigt. Dabei war das Licht in Dauerposition und der Klimakompressor eingeschaltet.
Karosserie, Innenraum:
Der Golf bietet mehr als ausreichend Platz für vier Erwachsene im Innenraum. Gerade in der zweiten Reihe sitzt man sehr gut, teilweise deutlich besser als bei Wettbewerbern in der nächsthöheren Klasse. So ist im Vergleich zum Vectra C GTS die Kopffreiheit erheblich besser. Auch die Beinfreiheit ist ausreichend.
Die Bedienung des Fahrzeug ist intuitiv mit Ausnahme der MFA+. Sämtliche Einstellungen müssen über den Wischerhebel vorgenommen werden – das nervt und ist unpraktisch. Gut hingegen ist die Zielführund des CD-Navi. Einziger Kritikpunkt ist dabei der schleppende Kartenzoom im „MAP“-Modus. Die zehn werkseitigen Lautsprecher machen eine gute Figur, auch wenn das Radio mit nicht so tollem Empfang den Hörgenuss verhageln kann. Der Wechsler nimmt meine selbstgebrannten CDs tadellos an.
Weniger gelungen ist jedoch die Lichtsteuerung. Schalte ich das Abblendlicht (Xenon) auf „an“ und verlassen den Wagen, so schaltet das Licht nach einiger Zeit ab. Sehr gut gelöst bis dahin. Schließe ich jedoch den Wagen auf, so zünden die Brenner um dann, sobald ich eingestiegen bin wieder abzuschalten. Sobald ich den Wagen starte, werden die Brenner erneut gezündet – die Abstimmung der Lichtautomatik mit dem Coming Home ist hier misslungen. Das gilt übrigens auch für den Regensensor, der erst bei Dauerwischen das Licht auslöst. All dies vermag auch zu erklären, weshalb die Brenner bereits nach 80 000km völlig am Ende sind. Diese werden schnellstmöglich gegen Osram Cool Blue Intense getauscht (20% mehr Licht gegenüber original).
Der Innenraum ist im Übrigen gut verarbeitet und zeigt nur an wenigen Softlacken Schwächen. Trotz der Farbe Beige sieht alles noch wohlich aus (mit Ausnahme der Fußmatten). Damit dies so bleibt, muss für den Tierbesitzer natürlich die Nachrüstung eines Trennnetzes im Kofferraum ganz oben auf der Liste stehen. Dies ist jedoch mangels werkseitiger Befestigungspunkte im Dachhimmel äußerst schwierig und teuer (VW-Lösung kostet 300 €!!!). Besonders hilfreich ist hierfür auch nicht, dass im Kofferraum keine ausreichend großen Ösen für eine fachgerechte Ladungssicherung angebracht sind. Das ist bei Mercedes deutlich besser gelöst.
Um die volle Funktionalität eines modernen Fahrzeugs zu erhalten, habe ich eine Kufatec Fiscon Basic Freisprecheinrichtung nachgerüstet. Diese ist völlig versteckt verbaut und ermöglicht das Koppeln von bis zu fünf Mobiltelefonen via Bluetooth an den Golf. Dies erspart viele Bußgelder…
Fahrwerk:
Das Fahrzeug steht auf 195/65 R18 Conti Eco Contact. Um es kurz zu machen: Die Fahrwerksabstimmung ist eine Katastrophe. Zwar klappert nichts und es ist auch nichts ausgeschlagen, trotzdem ist die Entkopplung des Fahrwerks vom Innenraum nur mäßig gelungen. Dumpfes Poltern beim Überfahren von Fugen gehören ebenso zum Pflichtprogramm wie eine für ein Komfortfahrwerk ungebotene Härte. Diese Härte verschwindet allerdings dann plötzlich im Grenzbereich, wo sich der Golf nach anfänglichem Übersteuern teigig ins Untersteuern bemüht – und hier auch zwischen beiden Fahrzuständen pendelt. Ein Fahrverhalten, das weder sonderlich vertrauenserweckend ist noch das ESP arbeitslos machen will. Auch liegt der Grenzbereich erschreckend niedrig, was ich den hilflos wimmernden Contis jedoch zuschreiben will. A pro pos Reifen: Diese sind zudem noch äußerst laut.
Fazit:
Ein äußerst gelungener Wagen um im städtischen und ländlichen Bereich von A nach B zu kommen. Er ist dabei sparsam und hat alle nötigen Komfortfeatures an Bord. Für Autobahnfahrten sind jedoch wohl Motor als auch Reifen deutlich zu laut. Gleiches gilt für die Windgeräusche. Für mich ein ganz klarer SIEGERTYP!
JG, 2011-08-15
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