Testwagen:
BMW E36 320i Coupe
Baujahr:
1992
Kilometerstand:
130.000km
Bemerkungen:
Scheckheftgepflegt
Da stand er nun vor mir, ein mittlerweile stark in die Jahre
gekommener BMW 320i (E36). Frisch poliert glänzte das rote
Blechkleid entgegen, als ob es so verbergen wolle, dass der Wagen
bereits 13 Jahre alt ist.
Nun gut, die Testfahrt zählte mit Sicherheit nicht zu den Längsten,
da sich mir nur die Möglichkeit bot den Wagen über etwa 100km zu
bewegen. Gleichwohl, es war ein durchaus ausgewogenes Erlebnis,
bestehend aus Autobahn, Landstraße und, wenn auch wenig,
Stadtverkehr. Damit kann natürlich nicht das gesamte Einsatzspektrum
des Wagens objektiv bewertet werden, was allerdings nicht für einen
kurzen Fahrbericht gelten dürfte.
Karosserie:
Das Fahrwerk an diesem Coupe (immerhin 13 Jahre alt und im
Originalzustand) zeigte sich erstaunlicherweise absolut ruhig. Kein
Poltern oder Klappern stört die imposante Geräuschkulisse des
Reihensechszylinders unter der Haube – kein Vergleich zu einem
ähnlich reifen Opel oder VW.
Gleiches gilt erstaunlicherweise für den Innenraum. Die selbst nach heutigem Standart noch immer sehr gute Qualitätsanmutung kann jederzeit überzeugen. Kleinere, altersbedingte Mängel (rechter Fensterheber funktioniert beispielsweise nur noch in kleinen Teilschritten) sind sicherlich eher mangelnder Wartung denn schlechter Verarbeitung zuzuschreiben. Im Kapitel Fahrgeräusche kann der 3er leider dann diesen bis dahin sehr positiven Gesamteindruck nicht weiter bestärken, im Gegenteil: Hier gilt – der 320iger kann mit einem modernen Auto in keiner Weise mehr mithalten. Der Motor ist aufgrund seiner kurzen Übersetzung immer präsent, was beim zügigen Beschleunigen bis 5.500 1/min durchaus anregend sein kann, bei einer Langstreckenfahrt mit 160 km/h ist er jedoch nur noch nervend. Wind- und Abrollgeräusche sind hingegen auf hohem Niveau isoliert.

Fahrleistungen/Motor: Im
unteren Drehzahlbereich zeigt sich das Sixpack (ohne VANOS) absolut
enttäuschend; hier lassen Motorsound und das bloße Datenblatt (110
kW und 190 Nm) mehr erwarten. Zwischen 3.000 und ca. 5.500 1/min
wird er langsam wach, während er jenseits dieser Marke wieder wie
zugeschnürt und sehr angestrengt wirkt, zumindest im Vergleich zu
seinen stärkeren Brüdern. Diese Charakteristik erklärt auch die sehr
kurze Übersetzung, will man damit wohl die mangelhafte
Kraftentfaltung bei niedrigen Drehzahlen kaschieren. Gleichwohl, der
Schub ist eben aufgrund der angemerkten Übersetzung natürlich für
die Landstraße mehr als perfekt – man kann den Wagen immer im
optimalen Drehzahlband bewegen, was mit modernen Schongetrieben
anderer Hersteller (Opel Vectra B 2.0) schon wesentlich schwerer
fällt. Ab 50 km/h ist der 5. Gang ausreichend zum gemütlichen
Beschleunigen und Fahren, wenngleich man keine Wunder bei diesen
Drehzahlen erwarten sollte. Alles in allem ein flotter Wagen – wenn
auch die damalige Konkurrenz oft noch eine Schippe drauflegen konnte
(Opel’s 2.0 16V und Mercedes 2.2 16V).
Verbrauch: Im Vergleich einfach höher als beim Mercedes W124 220E oder eben Opel Vectra A 2000. Allerdings sicherlich noch im vertretbaren Rahmen (im Mittel würde ich mit 10 – 11 l/100km rechnen).
Innenraum:
Kurz und knapp – ein sehr schönes und aufgeräumtes Cockpit mit guten
Ablagemöglichkeiten. Von der Ergonomie her ist dies meiner Meinung
nach wohl kaum noch zu Toppen. Die Instrumente sind tadellos
ablesbar – einziger Wermutstrophen hier sind die (umfangreiche)
Bordcomputerfunktionen, die nicht im Blickfeld des Fahrers abrufbar
sind. Die Kopffreiheit ist bereits in der ersten Reihe stark
eingeschränkt (wahrscheinlich auch dank des optionalen Schiebedachs,
mit dem der Testwagen ausgerüstet war), was in der zweiten Reihe
längere Reisen als Qual vermuten lässt.
Fazit: Ein wirklich
tolles Auto mit hervorragender Qualität was meiner Meinung nach nur
an dem etwas zu schlappen Motor krankt. Meine Empfehlung daher der
323i und vor allem ein 4-Türer. Der Zustieg zum Fond ist beim Coupe
einfach eine Qual und sollte für alle diejenigen vermieden werden,
die den Wagen regelmäßig als 4-Sitzer nutzen möchten.
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